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Sonntag, 05. September 2010

Versorgungs-Lamatrekking Tschierva Hütte - August 2006

Anlässlich des Hütten Festival 2006, organisiert vom SAC, hat sich ein Mitglied des Verein Lama- und Alpakahalter Schweiz entschieden, im Sommer während einer Woche in die Tschiervahütte zu trekken und zwar in Begleitung von Lamas, welche als positiven Nebeneffekt auch noch Lebensmittel zur Hütte transportieren sollten. Eigentlich wollte der VLAS sein diesjähriges Weekend im Tessin verbringen, aber wir entschlossen uns dann kurzerhand, uns dieser Initiative anzuschliessen. Ein Gebirgstrekking und dazu noch eine SAC Hütte mit Lebensmittel versorgen, das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Abstand

Da der Anfahrtsweg mit Autos und Anhänger doch etwas weit war, verteilten wir das Trekking auf drei Tage. Am Freitag, 4. August reisten 10 Personen aus 9 verschiedenen Kantonen an, der weitest enfernte aus dem Kanton Neuenburg. Um 14 Uhr war Treffpunkt auf dem Parkplatz in Pontresina. Wir durften mit Absprache der Polizei unsere Fahrzeuge inkl. Anhänger auf dem Langzeitparkplatz stehen lassen, was uns aber durch eine Barriere, welche die Durchfahrtshöhe auf zwei Meter beschränkte, fast vereitelt wurde. Not macht erfinderisch und wenn man dann noch die Erlaubnis der Polizei hat, ist ja alles viel einfacher. Wir drehten kurzerhand die Barriere zur Seite und fuhren mit unseren 2,5 Meter hohen Gefährten durch. Jetzt konnte es nur noch besser werden.

 

Die zwölf Lamas waren froh, dass sie endlich etwas Gras fressen durften. Aber auch wir Zweibeiner waren von der langen Anreise müde und hungrig.

Während die Tiere sich vom Transport erholten, bereiteten wir die Lasten vor. Jeder hatte neben seinen persönlichem Gepäck etwas Heu für die Lamas mitgebracht und so hiess es jetzt: Lasten verstauen, Packsäcke wägen und Lamas beladen.

Um 15 Uhr waren wir dann startbereit: die Lamas, aber auch wir, konnten es kaum erwarten, endlich ins wunderschöne Rosegtal aufzubrechen. Wir hatten eine angenehme Wanderung von 6,5 km, 225 Höhenmeter und ca. 1,5 Std. vor uns. Das Rosegtal wird mit Pferdekutschen bedient und einige von ihnen waren nicht sehr erfreut, Lamas auf ihrem Weg kreuzen zu müssen. Wir versteckten uns dann, wann immer möglich, auf dem nahen Wanderweg oder hinter Bäumen. So ging die Wanderung ziemlich reibungslos. Das Rauschen des Bergbach begleitete uns beim sanften Aufstieg zum Hotel Roseg. Ein leichter Wind wehte durch die Föhren und Arven und die Nachmittagssonne machte den Aufstieg wirklich sehr angenehm. Auf halben Weg begegneten wir einer Gruppe Reiter, welche im Engadin ein Kurs besuchten. Sie waren erfreut über die Begegnung mit den Lamas und die Pferde begutachteten uns aus sicherer Distanz. Ein mutiges Pferd beschnupperte sogar ein Lama. Eine Reiterin meinte, dass Lamas aber schon „hässliche Tiere seien“. Wir liessen uns den Tag nicht verderben, denn alle anderen Begegnungen mit Wanderer und Velofahrer waren positiv und jemand wollten uns sogar ein Lama abkaufen.

Beim Hotel angekommen, wurden die Lamas angepflockt, mit Heu versorgt und die mitgebrachten Lasten im „Gartenhäuschen“ des Hotels verstaut. Die Freude des Hotelbesitzers sowie seiner Gäste war gross. Viele Fragen mussten beantwortet werden und die Kinder wollten natürlich unsere wolligen Wanderbegleiter streicheln. Sogar mit Karotten wurden sie verwöhnt.

Ein gemütlicher Abend bei einem Glas Wein rundete unseren ersten Trekkingtag ab.

 

Am Samstag morgen wurde die Ware, welche unsere Tiere in die Hütte bringen sollten, angeliefert. Als wir aufstanden, stand sie bereits neben den Lamas. Nach dem Frühstück verteilten wir Käse, Birchermüesli, Frostschutzmittel usw. auf die Packtaschen und auch unser Gepäck wurde irgenwo untergebracht. Um 11 Uhr gesellten sich noch sieben Personen und drei Lamas zur Gruppe. Zwanzig Minuten später konnte unsere Karawane starten. Begleitet wurden wir von mehreren Hotelgästen und einigen Kinder, welche es kaum erwarten konnten, endlich ein Lama führen zu dürfen.

Zügig wanderten wir den zuerst noch flachen, breiten und dann immer steileren und steinigeren Bergweg hoch. Wolken verdeckten die Bergspitzen, welche sich das ganze Wochenende nicht einmal zeigten. Zum Glück blieben wir vom Regen verschont.

Beim letzten grünen Flecken, machten wir eine verdiente Mittagspause. Wir hatten bereits zwei Drittel des Wanderweges hinter uns. Ausgeruht und gestärkt nahmen wir das letzte Stück des Trekkings unter die Füsse. Der Wanderweg schlängelte sich steil den Berghang hoch und folgte dann der Seitenmoräne des Vadret da Tschierva bis zur Tschiervahütte.

Nach nur drei Stunden Wanderzeit inkl. Pause (584 Höhenmeter und ca. 5 km) trafen die ersten Trekker bei der Hütte ein. Sogleich wurden wir von den Hüttengästen freudig begrüsst und fotografiert. Auch die Hüttenwartin wir sichtlich erfreut, dass sie so viele Lamas bei sich begrüssen konnte. Als erstes nahmen wir den Lamas die schweren Packtaschen ab und brachten die ganze Hüttenware in die Küche. In der Zwischenzeit trafen auch die letzten Nachzügler ein und wir brachten unsere Tier zum Ruhen hinter die Hütte. Dort hatte es einen sehr steilen Grashang, wo wir die 15 Lamas anpflocken konnten. Als jedes Tier einen geigneten Platz hatte, brachten wir Wasser und Heu als Belohnung.

Endlich konnten auch wir etwas trinken gehen und als Belohnung wurde vom Verein ein Apéro organisiert. Dies hatten wir uns wirklich verdient. Der Nachmittag ging mit Spielen und Fachlatein austauschen vorbei, wurde nur durch das Nachtessen unterbrochen und bis spät in die Nacht fortgeführt.

 

Am Sonntag gab es um 6.15 Tagwache, hatten wir doch noch einen strengen Tag vor uns. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden die Tiere wieder beladen, diesmal waren die halben Packtaschen leer. Für ganz kurze Zeit sah man sorgar den Biancograt, aber nur andeutungsweise durch den Nebel. Ein letztes Mal für Gruppenfotos posieren und dann verliessen wir die Berghütte bei kühlen Morgentemperaturen. Drei Lamas blieben bei der Hütte und machten heute einen Ruhetag. Es hatte kein Material zum Hochtragen, da wir bereits alles am Samstag mitnahmen. Die Lamakarawane schaute noch ein paar Mal zurück zu den angebundenen Lamas. Warum die wohl nicht mitkommen?

Wir wanderten in zügigen Schritten talwärts und freuten uns alle auf den warmen Morgenkaffe im Hotel Roseg, wo wir nach zwei Stunden eintrafen. Die Gruppe wurde nochmals aufgeteilt, drei Lamas und eben so viele Personen verliessen das Tal „motorisiert“ und unsere „Wochentrekking-Kollegin“ stieg erneut zur Hütte hoch. Der Rest der Gruppe folgte dem wunderschönen Wanderweg auf der rechten Talseite. Praktisch hinter jeder Kurve begegneten wir einer Wandergruppe, schmunzelnd hörten wir ihre Kommentare: „Lamas, viele Lamas!“ „Sind wir in Südamerika?“ usw. Hätten wir von jedem Fotografen einen Franken einkassiert, wäre unser Vereinsweekend für uns gratis gewesen. Gegen Mittag legten wir eine letzte Pause ein und genossen den Sonnenschein. Auf der anderen Talseite blieben oft die Wanderer stehen und bewunderten unsere weidenden Lamas. Wir kamen uns fast vor wie im Zoo. Glücklich und zufrieden trafen wir gegen 14 Uhr auf dem Parkplatz in Pontresina ein. Schnell wurden die Tiere abgeladen, ein letztes Mal mit Wasser versorgt und in die Anhänger geladen. Hell begeistert vom Gebirgstrekking verabschiedeten wir uns und nahmen die längeren und kürzeren Heimwege unter die Räder.

 

Virginia Brand
 

Fakten

  • Teilnehmer: 14 Vereinsmitglieder und 3 Besucher
  • Tiere: 15 Lamas (12 Wallache, 3 Hengste), 2 Hunde
  • Last: ca. 220 kg (ca. 150kg für die Hütte)
  • Vertreten: 9 Kantone (AG,BE,BL,GR,LU,NE,SG,TI, ZH)
  • Sprachen: alle vier Landesprachen waren vertreten!
  • Distanz und Höhe im Total: 23 km, 1618 Höhenmeter verteilt auf drei Tage
  • Abstand