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Sonntag, 05. September 2010

Lamas und Alpakas sind für mich die idealen Haustiere schlechthin...

Sabina Haese, Alpakas vom Tannenberg, 9205 Waldkirch

Ich wohne mit meinem Mann und unseren drei Buben ausserhalb des Dorfes Waldkirch (SG) auf rund 800 m.ü.M.. Die Bauern in dieser Gegend leben von der Milchproduktion und mitten in diesem saftigen Grün grast unsere momentan 16-köpfige Alpakaherde. Die aussergewöhnlichen Tiere, die nachfolgend beschriebene Haltungsform sowie unsere etwas andere Arbeitsweise finden bei den umliegenden Landwirten eine breite Akzeptanz. Immer wieder freuen wir uns am Interesse und der Hilfsbereitschaft unserer Nachbarn.

Abstand
Mit den Alpakas bewirtschafte ich rund 1,8 ha Wiesland, allerdings aufgeteilt in 7 verstreute Parzellen. Die grösste Entfernung beträgt ca.8 km. Bei ganzjähriger Weidehaltung gewinne ich ausserdem das Heu und Emd für die Winterfütterung auf diesen Flächen. Bei geschlossener Schneedecke oder längeren Regenperioden halten sich die Tiere meist in ihrem 80 m2 grossen Auslauf auf. Dieser ist teilweise überdacht und der Boden strukturiert mit Holz, Sand. Erde und Betonplatten. Von hier aus hat man auch Zugang zu 2 kleinen Ställen (je 6 m2), in welchen kranke oder verletzte Tiere oder Neugeborene mit ihren Müttern versorgt werden.

Die Herde besteht im Moment aus 7 erwachsenen Stuten, 2 Jungstuten, 2 Zuchthengsten, einem Junghengst und 4 Fohlen. Die Hengste leben gemeinsam in einer Gruppe ausser Sichtweite der Stuten und werden gezielt zum Decken eingesetzt. Das heisst, vierzehn Tage nach einer Alpakageburt wird der ausgewählte Hengst in die Stutherde gebracht und verbleibt dort für etwa 3 Wochen. Ist eine Stute erfolgreich gedeckt oder trächtig, wird sie den Hengst mit heftigem Spucken abwehren. Alle Beobachtungen notiere ich in meiner Zuchtagenda und bin somit auf das ungefähre Datum der Geburt vorbereitet. Bei Erstgebärenden ist der genaue Decktermin und das Wurfdatum schwierig zu bestimmen. Die Trächtigkeitsdauer variiert zwischen 330 - 370 Tagen. Die Fohlen werden verteilt übers ganze Jahr geboren. Unser letztes Fohlen 1998 kam Ende November im Schnee zur Welt und hat die erste Nacht im Offenstall bei -8°C problemlos überstanden.

Die Jungtiere werden im Alter von 8 Wochen mit Imotoxan geimpft. Nach 4 Wochen wird die Impfung wiederholt und dann jedes Jahr. Mit 6-8 Monaten werden die Fohlen von den Müttern ge-trennt und auf eine entfernte Weide zu den anderen Jungtieren gebracht. Wir verkaufen unsere Alpakas nicht in Einzelhaltung. Der Käufer erhält zu seinen Tieren einen Lebenslauf mit allen Daten und Stammbaum so weit als möglich. Die Tiere werden vor der Abreise entwurmt und auf Wunsch geschoren.
Unsere Alpakas werden regelmässig entwurmt, wobei einmal jährlich Ivomec gespritzt wird. Von Zeit zu Zeit werden Kotproben auf Parasitenbefall untersucht. Die Tiere werden im 2-Jahresrythmus geschoren. Ich arbeite nach der TTEAM-Methode. Das heisst: Ich befinde mich alleine mit dem nicht angebundenen Tier in einem der kleinen Ställe und befreie mit einer Handschere für Schafe das Tier von seinen Fasern. Pro Tier rechne ich mit 3-4 kg Wolle, welche ich roh, gewaschen und gekardet oder zu Bettdecken verarbeitet verkaufe. Eine weitere Pflegemassnahme ist das Kontrollieren und Schneiden der Zehennägel.

Die Alpakas ernähren sich das ganze Jahr über von Gras und/oder Heu. Ein Mineralsalzstein speziell für Kameliden steht natürlich jederzeit zur Verfügung. Im Winter ergänzen wir das Menü mit Tannenästen und die Stuten erhalten eine Kraftfuttermischung. Lindenlaub, dürre Brennesseln, Gemüseabfälle aus der Küche, Früchte, Obst und hartes Brot werden ebenfalls gerne gefressen. Die Stämme der Obstbäume auf den Weiden müssen geschützt sein.

Ein Leben ohne die Alpakas ist für uns kaum vorstellbar. Für mich sind es die idealen Haustiere schlechthin. Das Alpaka frisst weniger als ein Schaf und der Pflegeaufwand ist, wie beschrieben, sehr gering. Man kann sich mit ihnen beschäftigen, muss es aber nicht. Sie sind sehr sanft und beschädigen weder Zäune noch andere Einrichtungen. Sie sind in keiner Weise agressiv und ausserdem "unbe-waffnet". Wenn während der Fütterung mein Jüngster zwischen ihren Beinen rumkrabbelt und an den Schwänzchen zieht, weiss ich, dass ihm ganz bestimmt nichts geschieht. Im Sommer, wenn im Garten die Dusche installiert ist, finde ich oft meine Kinder kaum zwischen den ebenfalls duschenden Alpakas.

Alpakas machen keine lauten Geräusche und sie stinken nicht. Ihr Geruch erinnert an Nüsse. Diese Tiere sind immer neugierig und an ihrer Umwelt sehr interessiert. Alle diese Eigenschaften gelten sowohl für weibliche als auch männliche Tiere. Da ich als Hausfrau kein Einkommen habe, muss meine Alpakazucht selbsttragend sein. Einen finanziellen Gewinn habe ich bisher (noch) nicht erzielt, aber meine Herde wächst und die Tiere haben sich und die nötigen Investitionen selbst bezahlt.
Abstand