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Samstag, 11. September 2010
Tom Würsten, Regis Zen Ruffinen Würsten, Jasnaja Llamas, Heitern 96, CH - 3125 Toffen
Durch Zufall und mit viel Glück haben wir, d.h. Tom und Regis, 1994 günstiges Bauland erwerben können. Die Parzelle, auf der wir heute wohnen, umfasst 1500m2 und liegt an einem steilen Hang. Da wir beide berufstätig sind, war für uns klar, dass wir kaum Zeit haben würden, um die Sense in die Hand zu nehmen. Das Gras sollten Tiere für uns mähen. Wir überlegten uns, entweder Schafe, Ziegen oder Esel anzuschaffen.

Es sollte nicht so werden. In der Nachrichtensendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens sahen wir einen interessanten Beitrag über "exotische Tiere" in der Schweiz. Hier wurde von Mufflons, Straussen, Moschusochsen und Lamas berichtet. Als Tom diesen Beitrag sah, konnte er von nichts anderem mehr sprechen. Er hatte die Tiere gleich ins Herz geschlossen. Ich dachte insgeheim: "Das ist wieder einmal so eine verschrobene Idee.." - aber Tom liess nicht locker, suchte Adressen von Lamazüchtern in der Umgebung und bereits eine Woche später stand ich sprachlos und voller Staunen vor diesen wunderbaren Tieren. Die Faszination, die ich damals verspürte ist bis heute geblieben.
Nach dieser ersten Begegnung war auch ich vollends überzeugt, Lamas anzuschaffen. Der Kauf sollte gut vorbereitet sein. Um die Tiere besser kennenzulernen, suchten wir Literatur übers Internet und fanden so das Buch von Marty McGee "Llama Handling and Training: The TTeam Approach" (1992), welches wir mit Begeisterung lasen. Wir suchten auch diverse Züchter in der Schweiz und fanden jemanden, mit dessen Lamas wir des öfteren "trekken" konnten.
Von diesem Züchter erfuhren wir, dass am 20. Mai 1995 die Gründungssitzung des "Verein der Lama- und Alpakahalter Schweiz" stattfand. Wir waren bei dieser Gründungsversammlung wohl die einzigen Teilnehmer ohne Lamas. Die Vorbereitungen für unsere Lamas gingen emsig weiter: U.a. zimmerten wir eigenhändig einen Stall und einen "Catch pen". Wir konnten es kaum erwarten, bis dann im April 1996, endlich Sancho und Belusch zu uns kamen.
Wir begannen mit der Erziehung von Sancho und Belusch nach TTeam. Erst gab es am Abend kurze Einzellektionen. Sobald das Anziehen des Halfters und das Laufen an der Leine keine Probleme mehr darstellten, gingen wir mit unseren Tieren regelmässig spazieren. So sind unsere Lamas heute an Katzen, Hunde, Autos, Motorräder, Velos und Züge gewohnt. Aber auch Bäche, Brücken Geröllhalden und Tiefschnee sind kein Problem.
Obwohl Sancho und Belusch uns überall folgen, mussten wir lernen, dass spazieren und trekken zwei unterschiedliche Dinge sind. Im Sommer 1996 hatten wir einen grösseren Ausflug in die Berner Alpen geplant. Wir wollten eine zweitägige Wanderung bis auf etwa 3000 M.ü.M. durchführen. Leider war das Wetter - entgegen der Wettervorhersage- nicht sehr gut, und wir entschieden uns erst am späten Nachmittag, uns doch noch auf die Socken zu machen. So liessen wir unsere Lamas in den Hochraumbus einspringen und fuhren nach Gsteig (1189 M.ü.M.) im Berner Oberland.
Dort angekommen, sattelten wir Sancho und Belusch, und dann ging es los in Richtung Sanetschpass auf 2251 M.ü.M. Der Weg war sehr steil, und es war sehr heiss. Unsere Lamas waren zwar ans Laufen und an die Packsättel gewöhnt, was sie aber kaum kannten, war das Tragen von Lasten. So kam es, wie es kommen musste: Nach zwei Stunden haben sich Sancho und Belusch hingelegt. Trotz Pause wollten sie keinen Schritt mehr weitergehen. In der Not mussten wir unser Gepäck selber tragen. Als wir den Sanetschpass endlich erreichten, war es bereits dunkel. Wir liessen uns den Spass nicht verderben und assen erst einmal gemütlich ein Fondue mit gutem Weisswein.
In dunkler Nacht suchten wir uns anschliessend einen Schlafplatz. Die Nacht war sternenklar, und wir beschlossen ohne Zelt zu übernachten. Am Morgen bedauerten wir diesen Entscheid aufs tiefste. Unsere Schlafmatten und -säcke waren gefroren, und nur mit Mühe gelang es uns, in dieser Kälte aufzustehen. Nach einem Kaffee begrüsste uns die warme Sonne, und mit Freude avisierten wir unser Ziel, den Arpelistock auf 3035 M.ü.M.
Der Aufstieg über den Sandgrat war für Tom und mich anstrengender als für die Lamas, welche ohne Gepäck keine Mühe mit Laufen hatten. Leider haben wir unser Ziel nicht erreicht: etwa 200 Meter vor dem Gipfel mussten wir umkehren. Der Weg, welcher schon lange keiner mehr war, konnte nicht mehr begangen werden. Klettern wäre angesagt gewesen. Ein wenig frustriert begannen wir den steilen Abstieg. Wir waren etwa sechs Stunden unterwegs als wir wieder den Sanetsch erreichten. Zig Rinder weiden dort oben den ganzen Sommer hindurch. Diese hatten noch nie Lamas gesehen und verfolgten uns bis zu unserem Gepäck. Es war ein richtiger Alpaufzug. Unser Gepäck, das wir hinter einem Felsbrocken versteckt hatten, war von Kühen belagert. Diese zeigten keine Lust, ihren Fund abzugeben. Mit lautem Rufen und Schreien konnten wir sie dann aber doch vertreiben. Unsere Packtaschen waren total versabbert und unser kleines Vorratsglas an Baileys stand ohne Deckel und leer im Gras neben dem Gepäck. Das erklärte wohl das merkwürdige Verhalten der Rinder.
Eigentlich wollten wir zu Fuss wieder nach Gsteig, aber es gab da noch die kleine Sanetschbahn (Gondelbahn für sechs bis acht Personen.)." Ob Sancho und Belusch über den Gitterrost in diese kleine Gondelbahn gehen würden?". Folgsam wie sie sind, stiegen Sie anstandslos in die Gondel und fuhren -überrascht, die Welt einmal von oben sehen zu können- mit Tom und mir nach Gsteig. Netterweise nahmen andere Wanderer unser Gepäck mit der nächsten Fahrt mit, denn dafür reichte der Platz in der Kabine nicht mehr.
Späts abends kamen wir erschöpft und zufrieden wieder zu Hause in Heitern/Toffen an. Dieser Tour folgte in den folgenden zwei Jahren zahlreiche weitere: Wildstrubel Umrundung, Greina Hochebene, Illanz - Juf, Allalinhorn, Wiwanni um nur einige zu nennen. Seit wir Lamas haben, sind wir jedes Sommerwochenende und in unseren Ferien dabei, unsere wirklich umwerfend schöne Bergwelt zu erkunden. An dieser Stelle sei allen Sennen und Bauern einmal herzlich gedankt, die uns mit den bepackten Lamas immer freundlich und interessiert auf ihren Alpweiden empfangen haben. Manches Stück feinen Bergkäses haben wir von unseren Tieren nach Hause tragen lassen. Merci vieumau!

Unsere Lebensqualität wurde durch unsere Tiere und die damit verbundenen Aktivitäten enorm gesteigert. Wir glauben, dass die Neuweltkamelidenhaltung eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die ganze Familie darstellt und können diese wärmstens weiterempfehlen.
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